Angst

Nergiz EschenbacherPsychotherapie

Praxis für Psychotherapie Freising, Nergiz Eschenbacher

„Und wenn es sogar Wahnsinn wäre, was in Ihnen steckt – Wahnsinn ist längst noch nicht das Ärgste, was einem Menschen begegnen kann; auch der Wahnsinn hat seine heilige Seite“. (Hermann Hesse).

„Was Sie hier alles über Angst erfahren!“

Welche Ängste werden überhaupt in der Fachwelt klassifiziert?
Wann wird Angst krankhaft?
Was passiert in meinem Körper bei Angst?
Welche Möglichkeiten habe ich damit umzugehen?
Mit welchen Methoden arbeite ich hier in der Praxis mit Angst?

WICHTIG – Diese Liste ersetzt nicht die Diagnose von ÄrztIn oder PsychiaterIn!

Wir haben immer wieder Ängste – Mal mehr und dann wieder weniger – mal die immer gleichen – dann wieder Neue –  Wir haben Angst davor:

unsere/n PartnerIn zu verlieren – arbeitslos zu werden – morgens aufzustehen – unseren Alltag nicht zu bewältigen – zu fliegen – vor Spinnen – unsere Existenz nicht mehr sichern zu können – vor Terroranschlägen – vor den Weihnachtsfeiertagen – alleine zu sein – nie alleine zu sein – nicht gemocht zu werden – eine Rede zu halten – unser nächstes Projekt in den Sand zu setzen – arm zu sein/zu werden – nie unsere tiefsten Wünsche zu erreichen – nicht erfoglreich zu sein – nie wieder gesund zu werden – vor dem Einschlafen – vor der nächsten Prüfung – dass meine Kinder auf die „falsche Bahn“ geraten – schwerkrank zu sein/zu werden – für immer alleine zu bleiben – vor dem Sonntag – vor unseren Gedanken – vor der Angst…

Angst ist eine Reaktion auf eine überfordernde oder bedrohliche Situation mit dem Ziel uns zu aktivieren

Aber wir vergessen, dass Angst ein natürliches Gefühl ist. Sie ist sogar sinnvoll, da sie unser Überleben garantiert. Das Ziel von Angst ist nämlich zu aktivieren und voll einsatzfähig zu werden. Der Körper wird darauf ausgerichtet zu reagieren:  unser Adrenalin steigt an und andere – nicht so notwendige – Funktionen werden herunter gefahren (z.B. Verdauung). Früher, wenn der Säbelzahntiger kam, dann hatte der Urmensch drei Reaktionsmöglichkeiten. Heute sind es andere Ängste. Aber unsere Reaktionsmöglichkeiten sind die gleichen geblieben:

Kampf – kämpfen
Flucht – weglaufen
totstellen

Im Alltag vergessen wir den sinnvollen Grund von Angst

Dieses Wissen, dass wir biologisch gesehen, wie der Urmensch reagieren, haben wir bereits schon einmal gehört oder zumindest erscheint sie uns logisch. Aber in unserem Alltag, wenn wir tatsächlich mit unseren Ängsten konfrontiert sind, vergessen wir es und können es nicht in diesen Zusammenhang setzen. Denn, in unserer kultivierten und zivilisierten Welt fällt es uns gar nicht mehr ein, dass sowohl unser biologischer Köper als auch unsere Seele und unser Geist nach wie vor so funktionieren, wie vor vielen Millionen von Jahren. D.h. unser Gehirn, unser Körper, unsere Gefühle reagieren auf bedrohliche, überfordernde Situationen genauso, wie bei einem Mensch, der früher tatsächlich dem Säbelzahntiger begegnet ist.

Angst ist nicht dazu da, dass ich mich schlecht fühle

Was heißt das? Das heißt, dass wenn Sie heute Ängste haben, unterschätzen Sie sie nicht. Denn unsere Seele/Geist empfindet etwas als bedrohlich. Wenn wir Angst haben, dann ist das nicht Schicksal. Sie ist nicht da, damit wir uns schlecht oder unsicher fühlen sollen. Sie ist genauso wie früher, ein Signal, damit wir aktiv werden. Sie fordert uns auf die Gefahrensituation zu überwinden. Auf seelischer Ebene ist das zunächst einmal sich selbst einzugestehen und zu erlauben, dass mir etwas Angst macht. In den weiteren Schritten wird es mir dann möglich sein diese Angst wahrzunehmen – vielleicht sogar ihre Ursachen – und zu bearbeiten.

„Ich bin verrückt und das wird nie aufhören!“

Wir sind natürlich in unserer leistungsorientierten Gesellschaft viel in unserem Kopf und in unseren Vorstellungen unterwegs. Diese Vorstellungen sind wie Filme im Kino und werden von uns oft nicht mit der Realität abgeglichen. Wir haben sie aufgrund von Erziehung und Erfahrungen gebildet. Es ist unser Gedanken- und Vorstellungsrahmen, in dem wir uns sicher fühlen und bewegen. Dieser wird oft von unserer „inneren KritikerIn“ beaufsichtigt, die uns erklärt, was wir gut oder nicht so gut machen oder vielleicht sogar besser machen könnten. „Alles ist doch in Ordnung –  es geht nicht und kann gar nicht sein, dass ich hier Angst haben muss!“ Denn, wie jedes unangenehme Gefühl, versuchen wir auch unsere Angst zu verdrängen, zu vermeiden, zu überspielen und sie sogar zu betäuben.  Ich  unterdrücke meine Angst und im schlimmsten Fall, verurteile ich mich dafür und beginne mich abzuwerten „Immer musst du Angst haben!“ oder „Du Loser, Schlappschwanz etc.“ oder „Kannst du dich mal nicht zusammenreißen?“ oder „Ich bin wahnsinnig.“ oder „Das wird nie aufhören.“ oder „Ich werde es nie schaffen.“  oder „Mit mir ist etwas so gar nicht in Ordnung – das darf niemand wissen.“ oder „Ich bin echt verrückt.“ usw. Ich selbst meine zu wissen, dass es doch gar keine bedrohliche Situation gibt und ich deswegen auch keine Angst zu haben brauche. Das stimmt nur teilweise. Es gibt Ängste, die mit unserer Entwicklung zu tun haben und von uns erst entdeckt und wahrgenommen werden wollen. Dann gibt es Situationen, die wir gar nicht als bedrohlich wahrnehmen, weil wir sie als solche gar nicht erkennen in unserem Alltagswahnsinn. Und vor allem versuchen wir die Angst so weit weg von uns zu halten, weil sie so unangenehm ist. Und etwas, dass ich nicht an mich heranlasse, kann ich nicht er-kennen. Eine Veränderung ist tatsächlich erst dann möglich, wenn ich weiß was es ist und warum es so ist.  Mit jedem Schritt, den ich mehr zu mir mache, mich besser kennenlerne, lerne ich meine Ängste einzuschätzen und mit ihnen umzugehen. Erst dann kann ich auch beurteilen, ob sie vielleicht doch Sinn für mich machen.

„Kann ich mit meiner Angst wirklich klarkommen?“

Je nachdem wie mit unseren Ängsten umgegangen worden ist: „Hab dich nicht so!“ (negieren) – „Da ist kein Monster unter deinem Bett!“ (unsere Wahrnehmung wird uns abgesprochen“) etc. – und wie unsere Vorbilder/Bezugspersonen mit ihren eigenen Ängsten umgegangen sind, haben wir natürlich entsprechende Mechanismen zum Umgang mit Angst entwickelt. Aus der systemischen und prä- und perinatalen Psychotherapie wissen wir heute auch, dass Ängste in uns leben können, die wir von unserem Familiensystem oder unseren Eltern übernommmen haben können.

Gesellschaftsübergreifend ist der Umgang mit Angst der, dass wir kaum bis gar nicht über unsere Ängste sprechen, da es ein Tabuthema ist. Generell sind ja nahezu alle unangenehmen Gefühle – wie Trauer, Wut, Verzweiflung, Angst …- tabuisiert.  Das bedeutet leider für jeden von uns, dass wir uns alleingelassen fühlen mit Gefühlen, die für uns selbst kaum bewältigbar erscheinen. Und vor allem uns nicht möglich erscheint uns ihnen entgegen zu stellen mit all unserem Sein und unserer Kraft.

Ja, und aus diesem Grund ist es mir wichtig das Thema Angst aus dieser tabuisierten, dunklen Ecke hervorzuholen und die Möglichkeit zu geben, die eigene Angst  einzuordnen. Wenn ich etwas einordnen und vielleicht sogar verstehen kann, gibt mir das Sicherheit und ich kann besser die notwendigen nächsten Schritte machen.

Symptome von Angst

Was passiert in meinem Körper bei Angst?
Was denke und fühle ich bei Angst?
Wie verhalte ich mich bei Angst?

Erste Hilfe bei Angst

  • Medizinische Abklärung: Handelt es sich bei meinen Symptomen tatsächlich um Angst!
  • Tiefes Ein- und Ausatmen in den Bauch, wenn nötig mit Hilfe von einer Tüte.
  • Erlernen von Entspannungstechniken (Meditation, Yoga usw.)
  • Kontakt aufnehmen zum eigenen Körper, z.B. durch Hinsetzen oder Hinlegen und das Spüren der entsprechenden Unterlage. Denn im Hier und Jetzt bin ich (meist) immer in Sicherheit und sich das wie ein Mantra selbst vorsagen: „Hier und jetzt bin ich in Sicherheit“.
  • Wenn möglich, Kontakt aufnehmen zu einer wichtigen Bezugsperson und der Austausch mit ihr. Ausdruck über Sprache kann oft mehr entspannen, als uns das bewusst ist.
  • Dinge, die in meiner Macht stehen abklären, z.B. bei Grübeln über mögliche Erkrankungen, tatsächlich zu einer Untersuchung gehen.
  • Immer wieder einen Realitätsabgleich machen.
  • Mich so anziehen, wie ich mich am sichersten fühle, z.B. eine Kappe, worunter ich mich „verstecken“ kann; stabile Schuhe, die mir einen festen Stand geben etc.
  • Objekte bei mir führen, die ich jederzeit, z.B. wie ein Angststein, Talisman u.ä. in der Hosentasche mitnehmen und in Notsituationen anfassen kann.
  • Mir vorab überlegen, was ich in bestimmten Situationen brauche um mich sicher zu fühlen, z.B. es steht ein wichtiges Meeting an und ich setzte mich neben einen Lieblingskollegen oder mit dem Rücken zur Wand u.ä.
  • usw. usw. usw.

Falls das alles nichts hilft, kann es sein, dass die Angst bereits zu einer Erkrankung geworden ist!

Wann ich meine Angst tatsächlich als Krankheit ansehen sollte?

Angst sollte unbedingt behandelt werden, wenn ich das Gefühl habe, keine Kontrolle mehr über sie zu haben, weil sie mich bereits sehr lange begleitet und inzwischen sehr oft und dabei sehr intensiv auftritt.  Ich beginne bereits Situationen, die mir Angst machen immer häufiger zu meiden und wenn nötig aus ihnen zu fliehen. Ich spüre einen starken Leidensdruck und mein Leben hat gar keine Qualität und Sinn mehr.
Ich habe bereits „Angst vor der Angst“ und vermeide alles, was dieses Gefühl hervorrufen kann. Ich habe keine Lust mehr etwas zu unternehmen und auch nicht mich sehr weit weg aus meinem Wohlfühlbereich zu bewegen. Ich ziehe mich von meiner Familie und von meinen Freunden zurück bis hin zur völligen Isolation.
Ich fühle mich nicht mehr im Stande meinen Alltag zu bewältigen und überlege bereits mir selbst durch Alkohol oder Medikamenten die Situation (vermeintlich) zu erleichtern.
Im schlimmsten Fall fühle ich mich depressiv und denke sogar mir das Leben zu nehmen.

Jetzt ist es unbedingt an der Zeit mir Unterstützung zu holen!

Wie arbeite ich in meiner Praxis mit Ängsten?

In meinerPraxis arbeite ich mit der Angst auf verschiedenen Ebenen und Methoden mit dem für mich sehr wichtigen ganzheitlichen Ansatz. Dazu gehört zunächst eine ausführliche Anamnese (Kennenlernen Ihrer Geschichte) und Stabilisierung Ihres aktuellen Zustandes, um dann in die konkrete Angstarbeit zu gehen.

Handelt es sich um Ängste, deren Beginn schwierig zu benennen sind, ist die Anwendung der systemischen Therapie möglich. Hier können wir uns auf die Suche machen, ob die Ursachen im Familiensystem oder bei einzelnen Vorfahren oder Eltern begründet liegen.

Sind die körperlichen Symptome der Angst sehr stark ausgeprägt, empfiehlt sich die Körperarbeit. Dabei wird genau mit dem Symptom, dass gerade in diesem Moment akut vorherrscht gearbeitet. Sie weist uns den Weg über den Körper zu den evtl. verborgenen Ursachen.

Gedanken- oder Gefühlskarusselle, die nicht mehr zu kontrollieren sind, können mit der Methode „EMDR“ angegangen werden. Akutelle innere Glaubenssätze werden als Ausgangspunkt genommen. Die Stimulierung der beiden Gehirnhälften über die Augen oder über die Knie, können uns auf den Weg ihres Entstehens führen.

Welche Ängste werden in der Fachwelt überhaupt unterschieden?

In Deutschland wird mit dem Klassifikationssystem ICD10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) gearbeitet. Darin werden folgende Angsterkrankungen aufgeführt:

Phobische Störungen
Agoraphobie mit/ohne Panikstörung
Soziale Phobie
Spezifische Phobie

sowie

Angststörungen
Panikstörung
Generalisierte Angststörung

Gemeinsam ist all diesen Störungen die Sympome wie Herzrasen, Schweißausbrüche, Zittern, Atemnnot, Beklemmung sowie Unsicherheit, Angst und das Gefühl sich „neben sich zu stehend zu fühlen“.

WICHTIG zu wissen ist, dass das natürlich wichtige Klassifikationen sind, damit allgemeingültig gearbeitet werden kann. Jedoch ist auch jede Angst – so individuell – wie es  der Mensch sein kann. Neben den allgemeingültigen und erlebten Angstsymptomen gibt es eine Fülle an Ängsten, die von jedem Einzelnen ganz unterschiedlich erlebt werden können, wie z.B. der eine hat Höhen- und die andere hat Platzangst. Ängste können also ganz verschieden erlebt werden und wir können praktisch gegenüber vielen Situationen und Dingen Ängste entwickeln. Das liegt daran, dass wir nicht verarbeitete Ängste aus Situationen oder Entwicklungsstadien an „Ersatzobjekte“ binden, die besser für uns zu „händeln“ sind, als die ursprüngliche Angst.